Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8

 Bahnmagistrale Nürnberg–Berlin

600.000 Gehölze, Gewässerrenaturierung, Beweidung durch Schafe

Schäfermeister Bert Berthold, mit 630 Schafen, pflegt im Auftrag der Bahn Orchideenwiesen (Foto: DB AG)

Die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle verursacht im Planfeststellungsabschnitt (PFA) 2.2 Unstruttal (Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt) durch den Bau der 2.668 m langen Unstrut-Talbrücke, der Portalbereiche des 6.466 m langen Bibratunnels, des 2.082 m langen Osterbergtunnels und der ebenerdige Strecke zwischen Bibratunnel und Unstruttalbrücke zahlreiche Eingriffe in die Natur und die Landschaft. Dabei wird unterschieden in bau-, anlagen-, und betriebsbedingte Auswirkungen.

Die Auswirkungen treffen auf eine vielseitige, abwechslungsreiche Landschaft, die die unterschiedlichsten Standortbedingungen aufweisen: Schichtstufen des Buntsandsteins und Muschelkalk (Trockenhänge bei Steigra, orchideenreiche Mager- und Trockenrasen, Gebüsche trockenwarmer Standorte, Weinbau), Unstruttal (Auenwiesen, Weichholzauen, Überschwemmungsgebiet), Dissaurinne (weichselkaltzeitliche Abflussrinne mit stark hängigen Trockenrasen und Magerrasenbeständen, einschl. Orchideen, Schafhutung), Fruchtbare Ackerstandorte bei Wennungen

Die Ausgleichsmaßnahmen sind planfestgestellten und zum größten Teil bereits realisiert, um die durch die NBS verursachten Eingriffe in die einzelnen Schutzgüter Boden, Grundwasser/Oberflächenwasser, Kleinklima, Biotope und Arten sowie das Landschaftsbild zu kompensieren.

Die Art der Ausgleichsmaßnahmen muss an die unterschiedlichen standortörtlichen Ausprägungen (Wasserverhältnisse, Bodenverhältnisse, Geländeneigung etc.) angepasst sein und entsprechen der heutigen potenziellen natürlichen Vegetation (HPNV).

Neu strukturierte Landschaft im Unstruttal (Foto: DB AG)

Im PFA 2.2 sind u. a. folgende Maßnahmentypen vertreten:

Flächige Gehölzpflanzungen ca. 100 ha- auf den ehemaligen Ackerstandorten der Wennunger Höhe dominieren Feldholzinseln mit

Acer campestre (Feldahorn), Malus sylvestris (Wildapfel), Sorbus domestica (Speierling), Cornus sanguinea (Hartriegel), Euonymus europaea (Pfaffenhütchen), Prunus spinosa (Schlehe), Viburnum lantana (Schneeball), Acer pseudoplatanus (Bergahorn), Fagus sylvatika (Buche), Traubeneiche - Eiche (Quercus petraea), Tilia cordata (Winterlinde), Carpinus betulus (Hain-Buche), Prunus avium (Vogelkirsche), Sobus aucuparia (Eberesche).

Gepflanzt werden Heister, Sträucher und 2- 3- jährige Sämlinge, wie es in Aufforstungen üblich ist. In der überschwemmungsgefährdeten Aue der Unstrut werden eher Arten der Weichholzaue gepflanzt, insbesondere Salix-Arten (Weiden).

Auf den flächigen Gehölzpflanzungen wurden ca. 600.000 Einzelgehölze gepflanzt.

Lineare Gehölzpflanzungen und Einzelbäume umfassen ca. 41 ha: Dazu gehören Hecken zwischen 7 –10 m Breite, Baumreihen, Ergänzung lückiger Gehölzreihen, Einzelbäume – und Gruppen.

Ein Ziel dieser Maßnahmen ist es u.a. die Biotopvernetzung – bzw. den –verbund für zahlreiche Tierarten zu verbessern. Sie dienen gleichermaßen als Erosionsschutz für die empfindlichen Lössböden.

Obstbaumwiesen, und –reihen werden auf ca. 16 ha gepflanzt. Es handelt sich vor allem um standort- und regionaltypische alte Sorten. Die Vorgaben dazu kommen von der Unteren Naturschutzbehörde des Burgenlandkreises: Apfelsorten: Klarapfel, Gelber Bellefleur, Goldparmäne, Grahams Jubiläumsapfel, Kaiser Wilhelm, Schöner von Nordhausen, Roter Eiserapfel, Geflammter Kardinal, Bohnapfel, Boskoop, Jakob Fischer, Gravensteiner, Jakob Lebel, Landsberger Reinette

Birnensorten: Gute Graue, Frühe von Trevoux, Prinzessin Marianne, Pastorenbirne, Poiteau

Pflaumensorten: Bühler Frühzwetsche, Czar, Hauszwetsche, große grüne renklode, Stanley

Süßkirschen: Büttners Späte Rote Knorpel, Hedelfinger

Sukzessionsflächen entstehen auf ca. 30 ha:

Auf ehemals intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen darf sich die Natur ohne Eingriffe bzw. Pflegemaßnahmen frei entwickeln. In der Regel ist eine Erstansaat mit einer regionaltypischen Gras- und Kräutermischung erforderlich um unerwünschte Ackerwildkräuter zu unterdrücken.

Anlage von Kleingewässern ca. 3 ha: Die Anlage von Kleingewässern, Altarmen der Unstrut und Vernässungsbereichen fördert die Strukturvielfalt in der Aue und damit auch die Artenvielfalt. Insbesondere Wasservögel und Rastvögel finden hier Nahrung. Gleichzeitig dienen die Strukturen als „Kinderstube“ für zahlreiche Fischarten. Zusätzlich werden Gräben durch Steinschüttungen aufgestaut. Alles diese Maßnahmen tragen dazu bei, die durch die ehemals intensive landwirtschaftliche Nutzung entwässerte Aue wieder zu vernässen.

Anlage und Pflege von Grünlandbereichen auf ca. 100 ha:

Die Anlage und Pflege extensiv genutzter Grünlandbereiche runden die naturschutzfachliche Optimierung der Unstrutaue ab. Ackerstandorte in den Überschwemmungsbereichen werden in Grünland umgewandelt. Es erfolgt keine Düngung. Die Flächen werden i.d.R zweimal im Jahr gemäht. Das Mahdgut wird dabei abgefahren. Die Grünlandbereichen in den hängigen Talflanken der Dissau werden in der Regel traditionell über Schafe beweidet. Insbesondere Orchideenstandorte (z.B. Ophrys sphecodes, Spinnen-Ragwurz, Ophrys insectifera, Fliegen-Ragwurz, Orchis pupurea, Purpur-Knabenkraut, Orchis militaris, Helm-Knabenkraut) waren durch Verbuschungsprozesse bedroht, so dass vor der extensiven Mahd / Beweidung zahlreiche Pioniergehölze (z.B. Robinien) entfernt werden mussten. Die Trockenhänge bei Steigra gehören ebenfalls zu diesem Maßnahmentyp. Die o.a. Pflege unterstützt das Erhaltungsziel bzw. den Schutzzweck des sog. FFH-Gebietes (Trockenhänge bei Steigra).

Die Landschaftspflegerischen Maßnahmen sind in ein landschaftliches Konzept eingebunden, in dem sich die unterschiedlichen Maßnahmentypen in ihrer Wirkung auf den Naturhaushalt und das Landschaftsbild durch die enge räumliche Verzahnung gegenseitig unterstützen.

Sie können in Ihrer Summe zahlreichen seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen neuen bzw. besseren Lebensraum bieten. So entstehen z.B. neue Bruthabitate für den Schilfrohrsänger an den aufgestauten Gräben in der Unstrutaue, neue Nahrungsräume, z.B. für den Rotmilan (gemähte Grünlandbereiche), Rastflächen für Wasservögel (Kleingewässer in der Unstrut), Orchideen auf den Trockenrasen an der Dissau.

Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) Nr. 8 umfasst die 500 Kilometer lange Aus- und Neubaustrecke zwischen Nürnberg–Erfurt–Leipzig/Halle und Berlin. Finanziert wird es vom Bund, der Europäischen Union und der Bahn mit insgesamt etwa 10 Milliarden Euro.

Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen werden auf über 3.000 Hektar durchgeführt, allein auf der Neubaustrecke Erfurt-Leipzig/Halle auf über 2.000 Hektar. Die neue Bahn-Verbindung ermöglicht nach Fertigstellung eine Reisezeit von München nach Berlin in etwa 4 Stunden und bietet eine umweltfreundliche Trasse für Straßen- und Luftverkehr. Die neue Strecke von Franken durch den Thüringer Wald nach Mitteldeutschland soll 2017 betriebsbereit sein.


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Bahn in Europa: Stärken – Verbinden

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